VINYL & SCHOKOLADE - Wie eins zum anderen kam
- Axel
- 15. Jan. 2022
- 2 Min. Lesezeit
Mein Name ist Axel und in meiner Kindheit wurde ausnahmslos auf jedem Kindergeburtstag dieses unsägliche Spiel gespielt. Mütze auf, Schal um den Hals, Handschuhe an und dann mit Messer und Gabel hastig Stücke aus einer Schokoladentafel sägen... Ich habe dieses krude Ritual bis heute nicht verstanden.

Vielleicht war dieser unwürdige Akt des Zersägens der Grund warum ich heute ein gutes Stück Schokolade dermaßen zelebrieren kann, dass mir die geburtstagsbesten Schokoladenschänder von damals den geballten Handschuh zeigen würden. Diese Gewinnertypen waren mir eh schon immer zuwider. Wollen immer auf einfachstem Wege zum perfekten Ergebnis kommen. Das hat sich bei den meisten von denen bis heute nicht geändert. Und mit der Schokolade damals, da fing alles an. Gierige Hyänen auf der Suche nach schneller, fetter Schokobeute. Aufreißen, zerlegen ... und dann hastig runterwürgen. Totale Befriedigung in 3 Sekunden. Igittigitt. Zu denen wollte ich nie dazu gehören. Da lausche ich doch lieber feingeistig dem zarten Knacken der Schokolade, versuche durch detektivisches Beschnuppern die GPS-Daten des Kakaobaums herauszuriechen, studiere mikroskopisch die Faserstruktur der Papierverpackung und lasse die geschmolzene Schokolade lavaartig am verwöhnten Palatum herunterdrüppeln...
Klingt bescheuert? Ist es vielleicht auch.
Nicht weniger manisch ist meine zweite Leidenschaft. Musik. Ich liebe die Haptik, den vergilbten Duft und den knistergemütlichen Klang einer alten Flohmarkt-Platte, die im Laufe der Jahrzehnte möglicherweise in vielen verschiedenen Plattensammlungen zuhause war. Sie erzählt mir unfassbare Geschichten. Wer hat sie wohl schon so alles in den Händen gehabt? Kenn ich wohlmöglich einen ihrer damaligen Besitzer? Welche Dramen hat sie miterlebt? Und warum wurde sie fortgegeben? Die Antworten werde ich nur selten herausfinden. Aber allein der Gedanke daran hat etwas ... nun ja ... Entschleunigendes. Der ein oder andere von euch wird mich vielleicht verstehen.
Ebenso wie dem Mysterium des Vinyls erliege ich dem Reiz einer guten alten Kassette. Auch wenn sie mich manchmal an den Rand des Wahnsinns bringt. Deshalb liegt bei mir im Tape-Regal auch immer eine Handvoll Ikea-Bleistifte, die wahrscheinlich von einem gewitzten schwedischen Kassettenjunkie als ultimative Geheimwaffe gegen Bandsalat entwickelt wurden. Entknotest du noch oder spulst du schon? In Schweden stellt man sich solche Fragen längst nicht mehr... Richtiges Musikhören ist für mich halt kein Zeitvertreib. Musikhören ist Arbeit. Wer heute noch eine Kassette anmacht oder ein Mixtape aufnimmt versteht das. Ich schätze Menschen, die das tun, sehr. Genug der Vorrede. Warum nun gibt es VINYL & CHOCOLATE und warum lohnt es sich, hier am Ball zu bleiben? Das weiß ich ehrlich gesagt selbst noch nicht. Zumindest noch nicht so genau. Denn auch ich möchte hier Musikarbeiten, mir den Sinn dieser Seite Stück für Stück er-ar-beiten. In der Hoffnung, dass das Zusammenbringen zweier völlig unterschiedlicher Genussmittel den ein oder anderen von euch inspiriert. Ob das klappt, da bin ich jetzt schon total gespannt drauf. Was hab ich vor: Ich werde mir hier regelmäßig verschiedene Leitfragen stellen, auf die ich versuche zu reagieren. Meine Plattensammlung dient dabei als Apothekerschrank, aus dem ich oktopusarmig alle Zutaten zusammenfische. Daraus wird je nach Thema ein eigenes Bild entstehen, eine Quintessenz, die ich am Ende eines jeden Beitrags mit einer thematisch passenden Schokolade zusammenbringe. Klingt bescheuert? Ist es vielleicht auch. Aber einer muss es ja machen.
In diesem Sinne. Euer
Axel
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